Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Pressestimmen


Sichuan-Oper entdecken

Chinesische Gastprofessorin Tian Mansha in Gießen

Gießen. Einen restlos überzeugenden Eindruck hat am Dienstag auf der Probebühne der Theaterwissenschaften der Justus-Liebig-Universität in Gießen die renommierte chinesische Operndarstellerin und Sängerin Tian Mansha hinterlassen. Sie übernimmt eine Gastprofessur an diesem Fachbereich und gab eine dynamische, kraftvolle Einführung.

Erst sah es so aus, als bekäme man mal wieder eine Präsentation gezeigt und die Texte vorgelesen, und so war es auch. Doch die Bildbeispiele machten deutlich, dass es hier um eine hoch dramatische Gattung ging: Masken und Kostüme erfüllten die Erwartungen an Schaurigkeit und Dynamik ohne Einschränkung.

Schon als die 48-jährige Tian Mansha ihre Seminarteilnehmer auf die Bühne bat und mit ihnen einige dramatische Grundtechniken vorstellte, spürte man die Auswirkungen der wenigen, doch arbeitsintensiven Tage - ohne Wochenendpause.

Die Gruppe zeigte einige chinesische Choreografieelemente und das sah schon sehr authentisch aus: Körpersprache und Timing stimmten im Wesentlichen, und vor allem war Anmut entstanden. Nicht genug damit, hörte man auch noch einige Textpassagen, im Wechsel mit Tian Mansha intoniert, und das war nun wirklich Chinesisch. Die dramatisch kraftvolle Lautgestaltung, exotische Intonation, fremdartig und nahe am Vorbild, ließen erkennen, dass Tian Manshas pädagogische Fähigkeiten nicht von Pappe sind. Die Studierenden waren von ihrer Lehrerin, die sich nur mittels Dolmetscherin verständigt, höchst angetan, hörte man. In der Aktion zeigte sich Tian Mansha, Professorin an der Opernakademie Sichuan, die zwei Mal den höchsten chinesischen Opernpreis erhielt, hoch konzentriert und ließ auch Strenge ahnen.

Der Höhepunkt des insgesamt zweistündigen Abends lag jedoch in zwei Soloauftritten. Zum einen tanzte und sang Tian Mansha eine Opernpartie, für die sie übers bestickte schwarze Outfit einen großen roten Schal geworfen hatte. Mit kraftvollem Ton und souveräner tänzerischer wie sängerischer Kompetenz zeigte sie eine expressive und musikalische Präsenz, die den Probenraum mühelos füllte: richtige chinesische Sichuan-Oper. Das Publikum im vollbesetzten Saal lauschte atemlos, bevor es in heftigen Beifall ausbrach.

Ausdruckskraft lässt Publikum ins Herz der dargestellten Figur schauen

Der abschließende Höhepunkt war Tian Manshas Ausschnitt einer modernen Oper, in der die Protagonistin eine verarmte Darstellerin ist und als Putzfrau arbeitet, die sich an ihre Vergangenheit erinnert. Hier wurde zuweilen Musik eingespielt, jedoch nicht gesungen. Mit sparsamen Lichtwechseln setzte Tian Mansha Akzente, fesselte durch außergewöhnliche Ausdrucksfähigkeit. Das war durchaus bühnengemäß verstärkt, aber man hatte dennoch das Gefühl, als könne man der Figur geradewegs in Herz hineinschauen - eine bemerkenswerte Frau. Riesenbeifall.