Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Akusmatik - Medien der Auferstehung (Kolloquium)


Teilnehmer : ATW MA 03; AVL; ZMI
Prüfungsvorleistungen: ATW BA oder Zwischenprüfung , Hauptstudium
Prüfungsform: Kurzreferat mit Thesenpapier

Inhalt und Ziel: Theater als repraesentatio zeichnet sich nicht nur durch ein spezifisches Verhältnis zum Tode aus, sondern dieses war auch immer implizit sakral determiniert und wird gerade mit der Krise der Darstellung insbesondere seit der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts auf der Bühne thematisiert.
Die einflussreiche Theorie Walter Benjamins zum Trauerspiel hat das Verhältnis zum Tod als Arbeit an der Trauer über die unmögliche Auferstehung des Textes, der Stimme, des Körpers reflektiert. Durch den Einsatz auf der Bühne von audio-visuellen Aufzeichnungsmedien werden jedoch auch Formen der Darstellung denkbar, die den Aspekt der Auferstehung des Abwesenden beinhalten und eine andere Konzeption der Darstellung nahelegen. Ihren theoretischen Implikationen soll am Beispiel der Akusmatik auf der zeitgenössischen Bühne nachgegangen werden: Stimmen sind dort vermehrt zu hören, deren körperliche Quelle nicht nur nicht sichtbar ist, sondern auch sehr oft dem Bereich der Toten entstammen.
An Beispielen aus dem zeitgenössischen (Musik-)Theater (Samuel Beckett, Carmelo Bene, Magazzini, Heiner Goebbels, Luigi Nono, Romeo Castellucci u.a.) sollen die Funktionen des medialen Einsatzes akusmatischer Stimmen analysiert und mit Hilfe ausgewählter theoretischer Texte ihre sakralen Implikationen wie auch ihre Konzeption der Darstellung diskutiert werden.
Eine Exkursion nach Straßburg im Januar zu Romeo Castelluccis Version von Dantes Purgatorio und Paradiso soll weiteres Anschaungsmaterial liefern.