Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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„Was ist Kritik?“ Möglichkeiten und Grenzen von Aufführungskritik.


BA 02

Theaterwissenschaftliches Seminar, Sommersemester 2010
inkl. Exkursion zu Theater der Welt nach Essen


Zu den Routineaufgaben der Theaterwissenschaft ebenso wie der Kritik gehört es, immer wieder über Theateraufführungen zu schreiben – und somit schriftlich zu fixieren, was über den bekannter Maßen transitorischen Gegenstand einer jeweiligen Aufführung gesagt sein soll. Ein neben der Analyse wichtiger Modus ist dabei das kritische Schreiben, welches über eine reine Beschreibung hinauszugehen und das vorübergehend Rezipierte auch noch in einen Bewertungszusammenhang zu stellen sucht.

Aber geht Kritik wirklich allein darin auf, sich ein Urteil gebildet zu haben? Welche Möglichkeiten bietet die kritische Reflexion von Theater, und welchen Ansprüchen sieht sie sich ausgesetzt? Was sind die spezifischen Herausforderungen einer kritischen Reflexion über ästhetische Zusammenhänge? Was soll Kritik leisten, was kann sie leisten? Welche Maßstäbe können geltend gemacht werden – wenn überhaupt? Welches ist der Standpunkt, den der Kritiker einnimmt? In welchem Verhältnis steht die Kritik des Alten zur Möglichkeit des Neuen? Mit drei Worten, die den Titel von Aufsätzen sowohl von Foucault als auch von Barthes und Butler bilden: „Was ist Kritik?“

Das Einführungsseminar Was ist Kritik? geht aus von diesen Fragestellungen und setzt sich mit ihnen einerseits theoretische andererseits praktisch auseinander. Einerseits ist es ein Lektüreseminar: In den zweiwöchigen Doppelsitzungen soll auf der Grundlage von einschlägigen Texten zum Begriff der Kritik von Wilde, Benjamin, Adorno, Foucault, Barthes, Butler die Frage, was Kritik sei, erörtert und diskutiert werden. Andererseits versteht sich das Seminar als Ort der praktischen Erprobung: Gemeinsam werden aktuelle Aufführungen unterschiedlicher Theaterformen besucht und von den Teilnehmern mittels eigener mal journalistischer, mal essayistischer, mal experimenteller Texte kritisch reflektiert – aber auch in Kritikgesprächen oder alternativen Formen des Kritisierens, die noch gefunden werden müssen.

Das Seminar endet mit einer Exkursion zum diesjährigen „Theater der Welt“-Festival in Essen (vorr. 7.-11.7.2010). Auch dort werden Aufführungen besucht, diskutiert und schriftlich und mündlich kritisiert werden. Eine Veröffentlichung der entstandenen Kritiken auf der Festival-Homepage ist möglich. Darüber hinaus ist die Teilnahme an den themenverwandten Kursen der Sommerakademie des Festivals geplant, welche gemeinsam für Gießener ATW-Studierende, Studierende der Theaterwissenschaft aus Erlangen und Studierende des MA-Studienganges Dramaturgie der Frankfurter Goethe-Universität angeboten werden. Das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft fördert die Exkursion, je nach Teilnehmerzahl ist eine Eigenbeteiligung aber wahrscheinlich nötig.