Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Inszenierung als Exszenierung


ATW BA 04, ATW BA 10, ATW MA 01

Etwas in Szene zu setzen – dies kann als Voraussetzung jeder Aufführung gelten. Was jedoch, wenn es sich bei diesem Etwas nicht um jene Aspekte handelt, welche gemeinhin als die ‚Hauptsachen‘ der Aufführung angesehen werden – wie z.B. die Präsenz und das Agieren von Darstellern –, sondern um jene ‚Nebensächlichkeiten‘, welche der Aufführung normalerweise als Informationen über selbige äußerlich sind und ihr beispielsweise als Ankündigungen vorausgehen? Was, wenn Elemente in Szene gesetzt werden, die für gewöhnlich im Programmheft oder auf einer Homepage zu vermuten sind, die also konventionellerweise den Rahmen einer Aufführung bilden, statt in diesem Rahmen aufzutauchen?
Das Seminar beschäftigt sich mit künstlerischen Arbeiten, denen eine solche Inszenierung rahmender Elemente zugrunde liegt – bzw. eine Exszenierung in dem Sinne, dass die vermeintlichen ‚Hauptsachen‘ der Aufführung aus der Szene gesetzt werden, indem ihr Fehlen durch an ihre Stelle gesetzte, auf sie verweisende ‚Nebensächlichkeiten‘ ausgespielt und umspielt wird. Neben Beispielen aus dem Bereich des Theaters werden dabei auch solche aus anderen Bereichen der Kunst, insbesondere der bildenden, herangezogen. Ausgehend von der Betrachtung dieser Beispiele und in Bezug auf verschiedene rahmentheoretische Positionen und Begriffe (wie z.B. Erving Goffmans Begriff der Modulation bzw. des keying, Gérard Genettes Begriff des Paratextes, Jacques Derridas Begriff des Parergon oder Dan Grahams Begriff der In-Formation) wird es insbesondere um die Frage gehen, welche Rolle Rahmungen generell für die Erfahrung von sowohl Aufführungs- als auch Ausstellungssituationen spielen und welche Konsequenzen sich aus der in Exszenierungen stattfindenden Reflexion dieser Rolle für die Beschreibung solcher Erfahrungen ziehen lassen.