Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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LANDSCHAFTEN - ZUM MOTIV EINER PERSPEKTIVE IN LITERATUR, MUSIK, KUNST UND THEATER


Der Blick des Seminars gilt einer Motivgeschichte, einer wiederkehrenden Figur in den Künsten: der Landschaft. Zunächst hat sich dieses Motiv in der bildenden Kunst - der Landschaftsmalerei - herausgebildet. Im Gegensatz zu seiner frühen Bedeutung in der chinesichen und japanischen Kunst entwickelte sich das Motiv als selbständiges im Abendland erst seit dem 15 Jahrhundert und erlebte in den großräumigen Landschaftskompositionen von Nicholas Poussin und Claude Lorrain eine erste Blüte; noch heute scheinen die touristischen Fernblicke vom Bildaufbau dieser Werke inspiriert. Im Laufe der weiteren Entwicklung insbesondere bei den Niederländern wird dieses Motiv weiter ästhetisiert, idealisiert, die Landschaftsmalerei spezialisiert sich und differenziert zunehmend ihr Ausdruckspektrum, bis in William Turners Gemälden sich die Landschaften bereits in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts wieder aufzulösen beginnen. Aber selbst in der zeitgenössischen Kunst (land-art, Anselm Kiefer, Gerhard Richter) haben sie einen festen Platz.

Das Seminar untersucht die Symbolik dieses Motivs - die klassischen und romantischen Denkformen im symbolischen Raum der Landschaft, die Veränderungen und Ambivalenzen in der Rolle des Individuums in ihr - und untersucht die Übertragung der Motivik in die anderen Künste. Auch in der Musik können wir Landschaft als Darstellungs- und Strukturprinzip nachweisen, es strukturiert die Ästhetik des Films und der Fotografie und seinem Einzug in die Literatur kommt - insbesondere im 20. Jahrhundert bei Gertrude Stein in ihren "landscape plays" oder bei Heiner Müller ("Landschaft mit Argonauten") - eine große Bedeutung zu: als radikaler Vorschlag zur Erneuerung des Theaters jenseits klassischer Narrativität.