Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Ist das Theater (k)ein Medium? Medialität, Performativität


BA 03, 09

Di 16-20h (14-tägig), Termine: 12.04.; 26.04.; 10.05.; 17.05.; 07.06.; 21.06.; 05.07.

"Ist Theater (k)ein Medium?", lautete 2006 die Preisfrage der Gesellschaft für Theaterwissenschaft. Preisverdächtige Antworten mussten hierfür erst einmal eine Haltung dazu entwickeln, was Theater und Medium jeweils im Einzelnen sein könnten, um über die Zwischenschaltung (k)eines 'ist' zu entscheiden.
Vielfach wird dem Theater eine Multi- und Intermedialität zugeschrieben, schon allein weil es 'viele Kunstformen in sich vereint', audiovisuelle Szenographien entwickelt und nutzt. Andere Ansätze besagen, dass gerade der lebendige Körper als Vermittler ausfällt (Fischer-Lichte), dass Performativität das Gegenteil von Medialität sein müsste. Das Seminar begibt sich auf die Spuren grundlegender Konzepte zu Performativität (als immer wieder aufgerufene, lebendige Attribute des Theaters) und Medialität. Unterschiedliche Performativitätskonzepte (Féral, Austin, Derrida, Butler und andere) setzen sich mal in ein Verhältnis zur Theatralität, betonen ein anderes Mal mehr ihre Herkunft aus der Sprachwissenschaft, sehen sich aber in jedem Fall mit der mittlerweile inflationären Verwendung des Performativitätsbegriffs auch in kulturwissenschaftlichen, werbesprachlichen, technologischen wie ökonomischen Kontexten konfrontiert.
Der Begriff des Mediums erfährt seine Prägung ebenfalls aus verschiedenen Richtungen. Mit Aristoteles wird etwas Drittes zu beschreiben versucht, das sich zwischen Auge und Gegenstand schiebt, um dort zu vermitteln – überhaupt ist das Medium als Mittler, als Zwischen gefragt (z.B. Waldenfels). Gleichermaßen benennt es physikalische Grundstoffe, Elemente, oder eben auch parapsychologische Vermittler. Berühmte Medialitätskonzepte (wie Luhmann, MacLuhan), jedoch auch Betrachtungen einzelner Medien (Malerei, Filmtheorie bei Balázs) und ihrer jeweiligen Stärken (Lessings Laokoon-Aufsatz) sind denkbar.
Verschiedene theoretische Positionen zum einen und anderen Begriff wollen wir uns also vornehmen, uns quasi von beiden Enden der Gleichung nähern, die hier aufgestellt werden soll oder eben nicht.
Es ist zudem unbedingt geplant, die Lektüren mit Seherfahrungen zu bereichern (Theater- oder Kinobesuche, vielleicht auch ins Museum?)!
Es laden zum gemeinsamen Haltung-Entwickeln ein: Philipp&Eva

Bitte zur ersten Sitzung vorbereiten:
Kati Röttger: „Intermedialität als Bedingung von Theater: methodische Überlegungen“, in: Stefan Bläske / Kay Kirchmann / Jens Ruchatz / Henri Schoenmakers (Hrsg.): Theater und Medien / Theatre and the Media. Grundlagen – Analysen – Perspektiven. Eine Bestandsaufnahme, Bielefeld: Transcript 2008, S. 117-124.

Für Fragen zum Text für die erste Sitzung, bitte eine Mail an Philipp und/oder Eva schicken.
Bitte Aushang beachten!