Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
MENU
DE EN

übertragen/unterstellen


(BA 04; BA 05; BA 09; MA 01; MA 03; MA 04; MA 05)

Well, good evening. Before we start, I think some people had a few things that they wanted to say. I know that for myself, I’m hoping that tonight you’ll see me very much as the romantic hero of the piece; strong, sensitive, caring, manly and well, very virile. (Forced Entertainment: Bloody Mess, UA 2004)
Im "sujet supposé savoir" beschreibt Jacques Lacan ein sujet in einer Funktionshaftigkeit, kreiert durch ein Gegenüber, d.h. in einer intersubjektiven Konstellation. Wo es vorkommt, soll „Übertragung“ herrschen – eine Unterstellungsstruktur. Wie sie das ‚Spiel’ der Subjektkonstellation funktionalisiert und katalysiert, könnte eine Frage sein, die die Aufmerksamkeit auf die Theaterkonstellation lenkt, und die die Frage nach einem Subjekt ermöglicht, dem etwa Zuschauen unterstellt wird.
Bei theaterwissenschaftlich Interessierten könnte der Verdacht aufkommen, es gäbe eine Verwandtschaft zwischen Übertragungsstruktur und Theaterkonstellation. Inwiefern schaffen performative Situationen Kräfteverhältnisse, und kann Übertragung als Grundstruktur der Theatron-Verhältnisse (Beziehung der Positionen Publikum-Akteur/innen [vorläufiger Begriff, bis ein passenderer gefunden ist]) behauptet werden?

Jacques Lacan denkt das durch Sigmund Freud geprägte Modell der Übertragung in der Psychoanalyse etwa insofern weiter, als dass er es vergegenwärtigt und über die Psychoanalyse hinaus als "natürliches Modell" annimmt, das wie eine Art prinzipieller, wahrnehmungsbeeinflussender Mechanismus anmutet. Er arbeitet z.B. an Platons "Symposion" Grundsätze über die Übertragung heraus, die das Sprechen konstituieren und sich ganz in der Gegenwart manifestieren – mit einem stärkeren Gewicht auf der Gegenwart im Hinblick auf Freuds Definition von Übertragung als Wiederholungszwang und „Neuauflagen, Nachbildungen vergangener psychischer Erlebnisse.“ Liebe wird dabei als Unterstellungsmechanismus erklärt.
Er entwirft mit der Struktur der Unterstellung eine Konstellation, die eigentlich schon ein Kräfteverhältnis zwischen allen Beteiligten schafft, bevor das erste Wort gesprochen wurde.

Untersucht werden im Hinblick auf performative Situationen die Unterstellungsstruktur der Übertragung bei Lacan und sein "sujet supposé savoir" ausgehend von Freuds Formulierungen für die Übertragung in der Psychoanalyse und Platons "Symposion". Begriffe der Funktionalisierung, der Situation und der Macht fürs und im Theater, Theatronachse (Lehmann) und die performative Setzungsmacht des Zuschauens stehen im Fokus der gemeinsamen Untersuchung.

Wer für die Fertigstellung einer Dissertation zum Begriff der "Übertragung" beim Denken helfen will (durch kräftiges Eigenmeinen und Lese-/Diskussionsbereitschaft), sei herzlich eingeladen!