Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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als ob // es gibt. Möglichkeiten und Widersprüche einer Phänomenologie der Kunst.


BA 04, MA 01, 03, 04, 05

Edmund Husserls methodisches Postulat „zu den Sachen selbst“ findet gegenwärtig vielfach Anklang. Die von ihm bereits zu Beginn des. 20. Jahrhunderts lancierte ‚apriorische Wissenschaft‘ gewinnt ihre Attraktivität aus dem Ansatz, das Phänomen und nicht seine Geschichtlichkeit oder seine Einbettung in Diskurse in den Mittelpunkt zu stellen. Doch läßt sich das Phänomen, die Sache, abseits der mit ihm verbundenen kulturellen Strategien und Techniken erfassen? Ist der Mensch nicht immer ein Wesen zweiter Ordnung?
Diese Frage wirft vor allem die darstellende Kunst auf, die das Spiel zwischen Sein und Nicht-Sein zum maßgeblichen Charakteristikum hat und dem empathischen „es gibt“ der Phänomenologie ein ambivalentes „als ob“ entgegenhält. Während die Phänomenologie den Akt der Wahrnehmung in seinem Vollzugscharakter und seiner Intentionalität betont, entfaltet die darstellende Kunst ihre Wirkung primär über Leerstellen und Abwesenheiten und macht solcherart auf die basalen Dispositive, die technische Rahmung und Überformung subjektiver Wahrnehmung aufmerksam. Kann es unter diesen Voraussetzungen eine Phänomenologie des Theaters geben? Was ist „die Sache“ der darstellenden Kunst?
Anhand zentraler phänomenologischer Begriffe und Positionen (von Edmund Husserl, Jean-Paul Sartre, Francis Ponge, Maurice Merleau-Ponty, Hans Blumenberg, Bernhard Waldenfels u.a.) sollen unterschiedliche phänomenologische Ansätze und Erkenntnisse in Bezug auf ihr analytisches Potential erörtert und die Möglichkeiten und Widersprüche einer Theaterphänomenologie diskutiert werden.

Das Seminar setzt intensive Lektüre und Lust an analytischem Denken voraus.

Zur Vorbereitung empfohlen:
Bernhard Waldenfels: Einführung in die Phänomenologie. München 1992
Ferdinand Fellmann: Phänomenologie zur Einführung. Hamburg 2005