Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Mashkarat, Prosopon und Larve. Paradoxa des Oberflächlichen.


BA 03, 04, 05, 09; MA 01, 03, 04; CuP 02

Seit Urzeiten verwendet der Mensch die Maske, um seine eigene Sichtbarkeit zu verhandeln. Die Maske bündelt die Qualitäten des Optischen und appliziert diese auf den Kopf als den erhabensten Teil des Körpers. Als starre Folie stellt sie die permanenten Bewegungen des Gesichts still, durch ihre Eindimensionalität schafft sie einen klaren Rahmen, der den Körper in mehrfacher Hinsicht aus- und abgrenzt. Doch die gesteigerte Sichtbarkeit geht zugleich mit einem Verdecken einher. Die Oberfläche der Maske verbirgt das wahre Gesicht, den eigentlichen Körper, die richtige Stimme. Die Maske erweist sich somit als ein Paradoxon: sie ist eine durchschaubare Folie der Täuschung und findet erst durch Löcher zu ihrer Kontur. Als solches bildet sie ein zentrales Element des theatralen Spiels, das sich grundlegend des ,als ob‘ und der Abwesenheit bedient.

Aufgrund ihrer Paradoxie ist Maske derzeit auch markantes Signet für einen gesellschaftspolitischen Umbruch. Das gehäufte Auftauchen von Masken - ob als Morph-Suits, Guy Fawkes-Masken aber auch als virtuelle Profile - kündet davon, daß sich die Vorstellung von der Sichtbarkeit des Subjekts aufgrund der neuen technischen Errungenschaften verändert hat und entsprechend Diskussionsbedarf über Identität und Anonymität herrscht. Ein Blick in die verschiedenen Theorien zur Maske zeigt, daß ihre grundlegende Paradoxie indes nicht aufzulösen ist - jede Maske bleibt ambivalent und löchrig. Anhand von grundlegenden Texten und mannigfaltigen Beispielen sollen ihre Prinzipien und Qualitäten definiert sowie eine Übersicht über ihre verschiedenen Formen (als Mashkarat, Prosopon und Larve, aber auch in ihren akustischen, motorischen oder virtuellen Varianten) gegeben werden.

Zur Einstimmung: http://vimeo.com/24132013