Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Neue Räume für Ton, Bild und Körper. Die oberitalienischen Theaterbauten um 1600.


Seminar und Exkursion
BA 03, 10; MA 01, 03

1580 beschließt die Vicentiner Accademia dell’ Olimpici sich von Andrea Palladio ein stabiles ,teatro all’ antico‘ bauen zu lassen. Obwohl das Haus nach der feierlichen Eröffnung nahezu ein Jahrhundert nicht mehr für Aufführungen benutzt wird, schafft die Akademie mit diesem Gebäude ein Muster, das bis heute als Vorbild für den Theaterbau dient. Einerseits greifen Fürsten wie Vespasiano Gonzaga (1590 in Sabbionetta) oder Rannuccio II. Faranese (1618 in Parma) dieses Modell auf und nutzen es als Forum zur Repräsentation; andererseits schafft die Akademie damit einen Raum, in welcher der Diskurs des humanistischen Subjekts und seiner bürgerlichen Gemeinschaft paradigmatisch Statt hat. Unter antiker Rahmung werden in diesen Theatern die Sinnesmodalitäten und Verhaltensweisen rekonfiguriert; Bild, Ton und Körper werden in ein neues Verhältnis gesetzt; Blick, Gehör und Geste werden gleichsam separiert und in der Aufführung synthetisiert. Die Gebäude geben indes nicht nur eindrucksvolles Zeugnis von der historischen Praxis des Bühnenbaus oder der Aufführungstradition. In den Theatern von Vicenza, Sabbioneta und Parma läßt sich die Neuordnung von Wahrnehmung und Wissen, die Konstitution des neuzeitlichen, humanistischen Subjekts auch heute noch konkret erfahren. Sie sind aktuelle epistemologische Erfahrungsräume.

Dazu müssen sie allerdings konkret begangen, bestaunt und belauscht werden. Die Lehrveranstaltung gliedert sich entsprechend in zwei Teile: im Seminar wird das kulturtheoretische Umfeld dieser Bauten erarbeitet, werden wichtige humanistische Traktate zu Körper, Musik, Sprache, Bild diskutiert; die im Frühjahr 2014 folgende Exkursion erlaubt, dieses Wissen mit der konkreten Erfahrung vor Ort zu kontrastieren.
Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 15 Personen beschränkt. Teilnahmevoraussetzung ist das Abhalten eines Referates zu einem entsprechenden Thema vor Ort. Italienischkenntnisse sind von Vorteil.