Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Close Reading: ÄSTHETIK DER INSTALLATION


BA 04
MA 01,04

Unregelmäßig: dienstags, 16-20h, A 118; erste Sitzung am 21.10.2014; weitere Termine: 18.11.2014, 9.12.2014; Termine 2015 nach Absprache (aber jeweils dienstags 16-20h); zusätzlich dazu Exkursion zum Symposium „Zwischen Performance und Installation“ an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe (Termin wird noch bekannt gegeben)

In diesem Lektürekurs soll in wenigen und unregelmäßigen, dafür langen und hoffentlich intensiven Sitzungen gemeinsam die Dissertation Ästhetik der Installation von Juliane Rebentisch zur Ästhetik der Installation durchgearbeitet werden:

„Installative Kunst ist die dominante Kunstform der Gegenwart. In ihr bündeln sich jene Tendenzen zur Entgrenzung der Kunst und der Künste, die seit den sechziger Jahren die moderne Idee ästhetischer Autonomie in Frage stellen. In der Kunstkritik hatte dies eine bis heute wirksame Frontstellung zur Folge. Auf der Seite der VertreterInnen eines ästhetischen Modernismus wurde Installationskunst als nicht mehr autonome Kunst verworfen, auf der Seite ihrer postmodernen VerteigerInnen hingegen wurde statt der neuen Kunstform die Idee ästhetischer Autonomie verworfen. Ausgangspunkt des Buches ist die diagnostische These, dass die Kunst der Installation nicht, wie oft angenommen, die Idee ästhetischer Autonomie als solche in Frage stellt, sondern allein ein objektivistisches (Miss-)Verständnis derselben, wie es sich in der Idee der Betrachter- und Kontextunabhängigkeit von Kunst ausspricht. Durch ihren Angriff aus Formbildungskonventionen des ästhetischen Modernismus nötigt Installationskunst mithin besonders nachdrücklich zu einer grundlegenden Neufassung dieses für die philosophische Ästhetik so zentralen Begriffs.“

Abschluss des Lektürekurses soll eine Exkursion nach Karlsruhe bilden zu dem Symposium „Zwischen Ästhetik und Installation“, zu dem auf Juliane Rebentisch als Keynote-Referentin eingeladen wurde:

„Immer häufiger betritt man auch als Besucher auf Theaterfestivals und in Ausstellungen Installationen, die gleichzeitig den Bühnenraum für Performances darstellen. Die Darsteller können Schauspieler, Puppen oder auch die Besucher der zu durchschreitenden Räume selbst sein. Theaterschaffende wie Christoph Schlingensief, Ivana Müller, Rimini Protokoll, Choreographen wie Trisha Brown und William Forsythe arbeiten genauso mit performativen Installationen wie bildende Künstler wie Ilya Kabakov, Paul McCarthy, Cosima von Bonin, Pierre Huyghe oder Walid Raad. Sie stehen damit in der Tradition künstlerischer Arbeitsweisen von Tadeusz Kantor, Robert Wilson Joseph Beuys, Paul Thek und vielen anderen. Welche Arten der Erfahrung ermöglichen diese inszenierten „Handlungsräume“? Sind sie immersiver Natur? Inwiefern unterscheiden sich performative Installationen von der Realität? Und wenn die Realität sich selbst aus inszenierten Räumen – Räumen, die Verhaltensweisen steuern – konstituiert (der Schule, dem Museum, dem Shoppingcenter, U-Bahnstationen oder öffentlichen Plätzen), inwiefern reagieren performative Installationen dann auf diese Art der Raumordnungen (falls sie es tun)? Was unterscheidet sie von weiteren immersiven Installationen wie Darkrides oder Dioramen? Was also macht die spezifisch ästhetische Erfahrung darin aus? Und wie kann die dazu nötige Distanz zum künstlerischen Gegenstand hergestellt werden?“