Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Das Wissen der Aufführung


BA 03/04/05/09/10/11/12

MA 01/03/04/05

CUP 07/09

Der Begriff thea, der gleichsam den etymologischen Kern von Theater als auch Theorie bildet, verleitet zu der Annahme, daß jedwede Aufführung von Tanz, Theater, Musik oder Performance eine Form von Wissen birgt.
Diese Annahme prägt die analytische Auseinandersetzung mit Aufführungen bislang als verborgene Prämisse und tritt primär in verschiedenen Termini hervor, deren Verwendung unweigerlich eine epistemologische Dimension in den Raum stellt, ohne diese zu konkretisieren. Nachgerade ästhetische Erfahrung, Theatralität und Musikalität, aber auch Körpertechnik, Spektakel, Spiel und weitere Begriffe implizieren, daß die Aufführung stets etwas weiß, respektive deren Rezeption ein Wissen schafft. Aber welches Wissen wäre das? Generiert eine Aufführung überhaupt Wissen? Handelt es sich dabei um subjektive Erfahrung? Um eine aisthetische Prägung? Um eine Differenz im Sinne des Formenkalküls? Um eine Organisationsstruktur? Um historiographische Erinnerung? Um einen Irrtum?

Das Seminar möchte die Frage nach dem Wissen der Aufführung zum Ausgangspunkt nehmen, um die Episteme des Theaters anhand weiterer Begriffe und Modelle – Theater als Ordnung der Dinge, Theater als Dispositiv, Theatralität und Musikalität, Spektakel, Spiel, Differenz, Erinnerung, Fehler und Fiktion – zu konturieren. Die Epistemologie Michel Foucaults wird den unvermeidlichen methodischen Ausgangspunkt bilden, um zu weiteren zeitgenössischen Theorie-Szenen vorzudringen. Durch den Besuch von drei bis vier aktuellen Aufführungen sollen diese zudem auf ihre Anwendbarkeit hin überprüft werden.