Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Les règles des jeux. Theorie- und Praxisseminar zu Arbeitsmodellen Prozessmechanismen in Brett-, Gesellschafts- und Theaterspielen


BA 05/09 MA 04/05 CUP 07/09

In seinem Gedankenscherz notiert Leibniz im 17. Jahrhundert die Idee, im Zuge der um sich greifenden Akademiegründungen auch eine Akademie der Spiele ins Leben zu rufen – es geht darum, aus wissenschaftlichen Gründen einen „Spielpalast oder, allgemeiner gesprochen, einen Vergnügunspalast“ einzurichten. Vor dem Hintergrund der Rede von der Gamification des Arbeitslebens und vice versa von der der Workification der Spielkulturen, im Hinblick auf die Ausdifferenzierung von digitalen und analogen Spielwelten und unter besonderer Berücksichtigung des aktuellen Hypes um Spielformate in den darstellenden Künsten bietet das Seminar eine erste theoretische und praktische Auseinandersetzung mit Games und ihren Funktionsweisen: Welchen Einfluss hat das gemeinsame Spiel, jenseits von theatralem Rollenspiel und social choreography für Theater- und Performancetheorie und wie könnte sie für die angewandte Theaterwissenschaft sinnvoll genutzt werden?
Auf der Basis der gemeinsamen Lektüre ludologischer Schlüsseltexte (Huizinga, Caillois, Duke, Juul), einflussreicher Denkansätze (Leibniz, Schiller, Gadamer, Wittgenstein) und aktueller Forschungsliteratur (Freyermuth, Beil, Sutton-Smith) sollen Brett- und Gesellschaftsspiele (von so unterschiedlichen Autor*innen wie Elizabeth Magie, Klaus Teuber oder Vlaada Chvátil) multiperspektivischen Analysen unterzogen werden: Jüngste Untersuchungen zu systemtheoretischen, rhythmischen, politischen und darstellungsspezifischen Fragestellungen können dabei nach Interesse der Seminarteilnehmer*innen herangezogen und diskutiert werden.
Das wöchentliche Seminar kombiniert diese Überlegungen zu Kulturgeschichte, Spieltheorie und analog game studies mit einer Praxis des Spielens: Am Montag vor dem Seminar ist ein Zeitfenster von 20.00 bis 24.00 Uhr dem gemeinsamen Ausprobieren von Brett- und Gesellschaftsspielen vorbehalten.
Voraussetzung für den Teilnahmeschein ist die Bereitschaft zur Übernahme eines Referates. Für den Leistungsschein ist zusätzlich eine Hausarbeit (Umfang 10-15 Seiten) zu erarbeiten.