Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
MENU
DE EN

Traum A


Das performative Theaterstück Traum A wurde von der Regiegruppe mouche mouche in der Besetzung Agnes Hansch, Friederike Kenneweg, Lena Wicke, Florian Siebrecht vom Januar bis zum Mai 2001 mit Schülern des Weidig-Gymnasiums in Butzbach erarbeitet und am 4. und 5. Mai aufgeführt.

Mit: Hanna Binder, Agnes Hansch, Friederike Kenneweg, Deniz Dönmez, Lena, Jennifer Schneider, Daniela Becker, Julia Raab, Florian Siebrecht, Lena Wicke

Traum A setzt sich mit den verschiedenen Formen von Träumen auseinander: Tagträume, Wunschträume, Alpträume, Fieberträume. In den Proben wurde von den Träumen der Schüler und Regisseurinnen ausgegangen, für die in gemeinsamer Arbeit Möglichkeiten der szenischen Umsetzung gefunden wurden.
Der Aufführungsort war die Probebühne des Weidig -Gymnasiums in Butzbach. Ein festes ansteigendes Podest bot eine Vorgabe für den Zuschauerraum. Die Spielfläche war mit schwarzem Teppich ausgelegt, an den hinteren Wänden befanden sich Spiegel. Das Publikum nahm auf Kissen und Stühlen Platz, die sowohl auf dem Podest als auch um die Spielfläche herum verteilt waren.
Die Zuschauer tauchten bereits auf ihrem Weg durch das Schulgebäude in die Traumwelt ein. Eine Marktschreierin forderte das Publikum lauthals zum Eintreten auf. Zwei Stewardessen erklärten die Regeln, die während dieses Ausfluges gelten sollten. Ein Darsteller forderte die Zuschauer auf, ihre Schuhe vor der Bühne auszuziehen und nach Farben geordnet an der Wand aufzureihen. Auf einem Tisch vor dem Eingang zum Spielort lag eine Person in einem Schlafsack und schlief. An der Tür stand eine Performerin und erzählte, wie sie eines Tages eingeschlafen sei und geträumt habe, dass sie eingeschlafen sei und dabei geträumt habe, dass sie eingeschlafen sei etc. In der Mitte des Raums stand eine weitere Darstellerin mit geschlossenen Augen und zeichnete mit einer unerträglich langsamen Bewegung einen Strich nach. Zwei Performer wiesen den Zuschauern nach nur in ihren Köpfen existenten Regeln bestimmte Plätze zu. Der Traum beginnt. Alle erzählen gleichzeitig Wunschträume: Mit einem großen teuren Auto fahren, am Strand liegen und den Partner des Lebens treffen, im Supermarkt alles mitnehmen können, ohne zu bezahlen, an einem See in der schönen Natur ein Picknick machen. All diese Erzählungen überlagerten sich, so dass der Zuschauer entweder nur einen Gesamtklangeindruck aufnehmen konnte oder sich entscheiden musste, welchem Darsteller er zuhören wollte. Eine Darstellerin beschrieb die absurden Regeln, nach denen Träume funktionieren. Plötzlich brach ein absolutes Alptraumchaos aus: Ein Performer warf Explosionsgeräusche nachmachend und irre kichernd mit Papierkügelchen auf Zuschauer. Drei Performerinnen marschierten in abgezirkelten Bewegungen an den Zuschauern vorbei. Ein Darsteller versuchte die Zuschauer dazu zu mobilisieren, sich hinter den Stühlen zu verstecken, weil eine Gefahr drohe. Einige Performer schrien, Alptraumsequenzen wurden einzelnen Zuschauern monoton erzählt. Eine Darstellerin nahm einen Zuschauer an einem Seil mit vor die Tür, ein Schuss erklang. Plötzliche Stille: Alle standen und guckten das Publikum an. Die Darstellerin die geschossen hatte, stellte Fragen: Träumst du in schwarzweiß oder in Farbe? Hast du Angst in deinen Träumen? Kennst du das Gefühl beim Aufwachen, wenn du wieder zurück willst? Und was hast du heute nacht geträumt?
Jeder Performer ging zu einem Zuschauer und erzählte ihm leise einen persönlichen Traum.

Ruhige und extrem bewegungsreiche Szenen wechselten sich so ab, dass der Zuschauer nicht zur Ruhe kam. Durch die vielen sich parallel abspielenden Sequenzen entwickelte sich ein Sog, ein Rausch, aus dem man erst gen Ende des Stückes wie aus einem Traum aufwachte.
Eine große Qualität des Stücks bestand in der Authentizität, die durch die Arbeit mit den Schülern entstand, weil sie selbst ihre eigenen Geschichten, Texte und Träume auf der Bühne szenisch umsetzten und/oder erzählten.