Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Passivität und Perversion: Das Reale und die Körperbilder (Kolloquium „Das Reale und die (neuen) Bilder.")


Seit sie 1991 mit Disfigure Study zum ersten Mal internationale Tanzszene betrat, artikuliert die Tänzerin und Choreographin Meg Stuart in ihren Stücken eine Erfahrung des Kontrollverlusts. Der tanzende Körper verliert die Kontrolle über die von ihm hervorgebrachten Bewegungen. Sie formulieren mithin eine Dissoziationserfahrung, die den Körper durch den Einsatz von visuellen und akustischen Bildern von sich abspaltet, bis das „sich“ keine Identität mehr bezeichnet. In Stückkomplexen wie Highway 1001 (2000/01) oder Visitors Only (2003) ist zunehmend eine Verschiebung auf das Phänomen der Überwachung durch einen unsichtbaren dritten Blick zu beobachten, der die Frage nach der Auflösung der Grenze zwischen privatem und öffentlichem Raum stellt. Der Vortrag möchte dem Verhältnis von Körper und Bild im symbolischen Rahmen des Theaters nachgehen, eines Rahmens, innerhalb dessen verschiedene Bildmedien gegeneinander ausgespielt werden, um eine totalitäre Verabsolutierung des Einen zu verhindern. Meg Stuarts Arbeiten erscheinen dabei als Reflexion auf die Möglichkeitsbedingung jeder Theater- und Tanzaufführung, der die dreifache Gliederung des Körpers in einen symbolischen, imaginären und realen Körper sichtbar macht.

Gerald Siegmund, Universität Bern
Dr. Gerald Siegmund wurde 1963 in Eschollbrücken bei Darmstadt geboren. Zwischen 1983-90 studierte er Anglistik, Romanistik und Theaterwissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, wo er 1990 seinen Magisterabschluss zum Thema "Aspekte der Negativität in den Dramen Joe Ortons" ablegte. 1990/91 arbeitete er als Dramaturgieassistent bei verschiedenen Produktionen am Theater am Turm, Frankfurt und Theater Basel. 1994 promovierte er in Frankfurt über das Thema "Theater als Gedächtnis" in den Fächern Anglistik und Theaterwissenschaft. Die Arbeit enthält Studien zu Sigmund Freuds Gedächtnismodellen und zu Texten von Heiner Müller, Samuel Beckett, Joe Orton und Steven Berkoff. 1996-1998 war er Postdoktorand am Graduiertenkolleg "Pragmatisierung/Entpragmatisierung" an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit einem Projekt über Manierismus im englischen Theater des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Seit 1995 schreibt er Tanzkritiken für die F.A.Z./Rhein-Main Zeitung sowie Ballet-Tanz, Tanzjournal und Dance Europe. Er hat zahlreiche Essays und Aufsätze zum zeitgenössischen Tanz veröffentlicht. Seit 1996 hat er Lehraufträge zu den Themen Tanz und englisches Theater an den Universitäten Frankfurt/Main, der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt /Main, Tübingen, Mainz, Bergen und Wien gehalten. Er unterrichtet außerdem am Aufbaustudiengang "Tanz Kultur" der Universität Bern, Schweiz und hat Workshops beim Festival "Tanz im August", Berlin und der "Internationalen Sommerakademie" in Frankfurt/Main gegeben. Seit 1998 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, bis er zum WS 2005/06 eine Professur am Institut für Theaterwissenschaft an der Universität in Bern übernahm.Dr. Gerald Siegmund lebt in Bern und Frankfurt am Main.


Im Rahmen des internationalen Kolloquiums „Das Reale und die (neuen) Bilder. Repräsentationen des Anderen oder Terror der Bilder?“ an der JLU Gießen vom 11. bis 12. November 2005

Das Kolloquium ist eine Kooperation des Zentrums für Medien und Interaktivität, Giessen und des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft, Giessen im Rahmen der Forschungsreihe "Inszenierungen in den Neuen Medien". Es wird veranstaltet von Prof. Helga Finter und Prof. Heiner Goebbels.