Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Nach Cranach, oder: Was von der Auferstehung übrig bleibt. William Forsythes Three Atmospheric Studies


Der Frankfurter Choreograph William Forsythe legt seinem zweiteiligen Stück Clouds After Cranach aus dem Jahr 2005 ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren, Christus am Kreuz, aus dem Jahr 1503 zugrunde. Das Stück geht noch im gleichen Jahr, um einen dritten Teil ergänzt, in das Stück Three Atmospheric Studies ein. Die Kreuzigungsszene Cranachs erfährt im Stück eine Reihe von Transpositionen und medialen Übersetzungen in Form von strukturellen Analogien, die das Original in ein Pressephoto von einer Explosion irgendwo im Nahen Osten und dies seinerseits in zwei Versionen einer erzählten Geschichte übersetzen. Gleichsam am Ort des abwesenden Körpers Christi tanzend begeben sich die Tänzer auf die Spur der Erlösung, ohne eine letztgültige Repräsentation finden zu können. Stattdessen verliert sich der Wahrheitsgehalt der Szene in einem Meer von Übersetzungen, an deren Ende nichts bleibt außer der Totenstarre einer verkrümmten Tänzerin.