Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Medien der Auferstehung im Theater: Irdische Paradiese, akusmatische Stimmen


Die Befragung der Medien der Auferstehung im Theater wird bei den Medien des italienischen Theaters der Renaissance ansetzen, die unter dem Vorzeichen der Eucharistie das Unsichtbare sichtbar und das Unerhörte hörbar zu machen suchten. So modellierten Theatermaschinen, ingegni und apparati , nicht nur die Strukturen eines vom dio artifex geschaffenen Universums, sondern hatten auch die Funktion, gestützt durch eine neoplatonische Interpretation der christlichen Lehre, dessen göttliche Signatur sichtbar zu machen. Präsenz gewordene Phantasie und Imagination des Auftragsgebers sind dabei nicht nur legitimierende Repräsentation von Macht, sie schaffen auch in Form von Impresen subjektive Räume, die christliches, antikes, esoterisches und privates Wissen verbinden.
Insbesondere die Intermedien, die im 16. Jahrhundert in Italien sämtliche Komödien, Tragödien, Pastoralen wie auch geistliche Spiele rahmten, setzten eine Fülle von Theatermaschinen ein, deren Wirkung zudem von der neuen Architektur selbst wie auch deren Perspektive, die den Modus des Spiels, Sprech- und Bewegungsweise determinierte, unterstützt wurde. In diesem Kontext haben Fluchtpunkt der Perspektive einerseits und unsichtbare Musik die Funktion, den unmöglichen Ort zu evozieren, der die Abwesenheit des Anwesenden und die Präsenz des Abwesenden signifiziert.
Es wird also darum gehen, an heutigen Beispielen des verstärkten Einsatzes von Musik ohne sichtbare Quelle, wie auch vor allem von akusmatischen Stimmen, zu fragen, was so aufersteht bzw. welche Abwesenheit Erinnerung heischt.