Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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Misere(re)


Misere(re)

Lacrimosa dies illa,
Qua resurget ex favilla.
Iudicandus homo reus:

Huic ergo parce Deus.
Pie Iesu Domine,
dona eis requiem.

Tag der Tränen, Tag der Wehen,
Da vom Grabe wird erstehen
Zum Gericht der Mensch voll Sünden;

Lass ihn, Gott, Erbarmen finden.
Milder Jesus, Herrscher Du,
Schenk den Toten ew'ge Ruh.

Thomas von Celano (13. Jhd)

Die aktuelle Bebauungs-Misere und Rekonstruktionsdebatte in Frankfurt ist für uns Anlass, im Rahmen der Luminale unser Fenster zum Hof in Richtung Römerberg zu öffnen. Wir laden unsere Besucher ein, sich mit der gegenwärtigen Situation auseinanderzusetzen, sie zu durchleben und dann auch wieder loszulassen und sich auf Neues einzulassen. Gebäude werden zu allegorischen Licht-Bildern, die den ewigen Zyklus von Trauer, Faszination, Alpträumen, und neuen Möglichkeiten erzählen. Unser Fenster zum Hof wird zum Ritual-Raum, der sich auf einen Neuanfang hin öffnet.

Oft fällt es schwer, Abschied zu nehmen und erneut zu beginnen. In der lebendigen Welt des Werdens folgt auf die Zerstörung ein Neubeginn. Es ist nicht einfach, das Gewohnte und ehemals Bewährte loszulassen, wenn der Lauf der Zeit es obsolet werden lässt. Auch Authentizität und regionale Identität sind nicht konservierbar, sondern immer vermittelt und unterliegen einem stetigen Wandel. Gerade für die Architektur gilt, dass man sich zwar mit der Geschichte auseinandersetzen muss, die Geschichte aber nicht 1 zu 1 wiederherstellen kann.


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