Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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X-Schulen


Ort: Hector-Peterson-Oberschule
Karten nur im Vorverkauf

Start im 10 Min.-Takt

Elternabend: nach dem langen Weg durch das Schulfluren-Labyrinth atmest du erleichtert auf, wenn du das Klassenzimmer betrittst. Fünfzehn Jugendliche spielen ihre eigenen Eltern. Und du? Du bist heute LehrerIn. Aber ob das die angenehmere Rolle ist? Tamer Yigit ist Regisseur einer der 21 Kurz-Inszenierungen an der Hector-Peterson-Schule in Kreuzberg, die sich der Besucher auf einer der drei Parcours erläuft. Die Schule am Tempelhofer Ufer, schräg gegenüber vom HAU 2, ist eine Gesamtschule mit rund 500 SchülerInnen in den Klassenstufen 7 bis 10. Über 95 Prozent der SchülerInnen haben einen Migrationshintergrund; auch sie sind im nächsten Jahr der Schulreform unterworfen.
Das HAU und die Hector-Peterson-Schule wollen mit „X-Schulen“ ein künstlerisches Nachdenken über Aspekte der Institution Schule anregen. Wir laden Künstler und Künstlergruppen dazu ein, die Schule, das heißt: Klassenräume, Aula, Flure, Direktorenzimmer, Schultoiletten, Turnhalle, Schulhof, Keller, zu erforschen und zu bespielen. Selbstverständlich sind ihre „eigentlichen Bewohner“ - Schüler, Lehrer, Hausmeister, Eltern, Mensaköche, Putzkräfte – Teil dieses Spiels. Neben Tamer Yigit sind Tim Etchells, Boris Nikitin, Chris Kondek, White Horse, Turbo Pascal, Kulturmaßnahmen, Tobias Yves Zintel, Nurkan Erpulat, Anca Munteanu-Rimnic, Jeremy Wade, Rabih Mroué, Zombo Combo u.a. mit dabei. Chris Kondek wird auf die Suche nach Gangführern gehen, um von ihnen ein paar Coolness-Tricks zu lernen. Rabih Mroué untersucht in einer Video-Performance das Verhältniss zwischen Schülern und Eltern, Kunst und Religion. Wie geht man als Berliner Jugendlicher mit Eltern um, die Kunst aus religiösen Gründen verbieten? Und Jeremy Wade entwickelt eine Choreografie mit Jungen, in der es um „Kontrolle-Verlieren und Kontrolle-Behalten“ geht.
Die Wiederbegegnung mit der Institution Schule hat für Künstler und Zuschauer den Charakter einer Zeitreise zurück in die eigene Kindheit. PISA. Reform. Amoklauf. Wie kaum eine andere Institution in Deutschland ist die Schule in den vergangenen Jahren in die Krise geraten und in der Öffentlichkeit fast ausschließlich durch Katastrophenmeldungen mit anschließenden Reformwünschen geprägt: in der Schule verdichten sich gesellschaftliche Probleme und Brüche in existentieller Weise.
Drei Theaterparcours mit 10-minutigen Inszenierungen bzw. Rauminstallationen führen den Besucher durch die belebte Schule, Inhalte und Geschichten stehen in enger Verbindung mit den Räumen, in denen sie gezeigt werden. In den letzten Jahren hat das HAU mit „X-Wohnungen“ ein künstlerisches Format geschaffen, das die Lebenssituation in verschiedenen Berliner Stadtbezirken erforschte. Mit „X-Schulen“ wenden wir uns zum ersten Mal einem institutionellen Raum und dessen Erzählungen zu.

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds


01. & 02. JULI 2010 / 10.00 - 11.10 UHR & 18.00 - 19.10 UHR / HAU 1
03. & 04. JULI 2010 / 14.00 - 15.10 UHR & 19.00 - 20.10 UHR / HAU 1