Justus-Liebig-Universität GießenInstitut für Angewandte Theaterwissenschaft
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faust


Der Baum, den ich betrachte, ist Faust. Seine Wurzeln durchziehen die gesamte deutschsprachige Kultur. Im Zentrum steht nicht das Innere Fausts, sondern ich unterziehe ihn einer phänomenologischen Betrachtung. Ich führe in die Ordnung der Dinge unordnende und umordnende Elemente ein. Schnell neigt der Sammler zur Systematik und der Forscher zur Deutung. Was passiert, wenn ich den Baum entwurzele und ihn an einen Ort ohne Boden und Wasser stelle? Eine Hülle. Eine Marke. Ein Name. Der Name einer Stadt. Die Stadt trägt ein Wappen, in ihr steht ein Denkmal. Faust ist ein Name mit Stammbaum und Tradition, ein Mythos der sich verästelt. Jeder Ast wird nur in Verbindung zum Stamm gedacht. Ich möchte diese Verbindungen ans Tageslicht bringen, um sie zu entwurzeln, zu verschieben, abzuschneiden, zurück zu stutzen. Dann kann der Baum neue Wege wachsen, sich verwachsen, erwachsen.